In einer Frage sind sich viele Bürger einig: Die
Hundesteuer paßt nicht mehr in unsere Steuerlandschaft. Das soll jetzt das höchste
deutsche Gericht, das Bundesverfassungsgericht klären. Uwe Stierand aus Halle, Besitzer
von mehreren Golden Retriever-Welpen gründete sogar den Verein "Bund der Nichtzahler
der Hundesteuer Deutschlands e.V.". Eine der ersten Maßnahmen des Vereines:
Verfassungsklage. Er hält die staatliche Abgabe für eine reine Willkürsteuer.
Schließlich blieben die Besitzer von Katzen und Pferden davon verschont. Uwe Stierand
steht mit seiner Meinung nicht allein da! Seit die Stadt Köln ihre Hundesteuer von 180 DM
auf 276 DM erhöhte, werden auch dort die Hundebesitzer rebellisch. Mit an ihrer Spitze
steht Rechtsanwalt Friedhelm Balsam, stellvertretender Vorsitzender des Kölner
Tierschutzvereins. Sie verfaßten eine grundsätzliche Stellungnahme zu dem Problem der
Hundesteuer. Auszüge: "Die Hundesteuer war früher eine Luxussteuer (erstmalig im
19. Jahrhundert in Preußen eingeführt). Damals zahlte man auch für das Halten von
Katzen, Enten, Nachtigallen oder eines Klaviers sowie für das Halten von Dienstboten . .
." Als einzige Steuer aus der Kuriositätenkiste hielt sich bis heute die
Hundesteuer. Die Hundesteuer soll heutzutage zwei Ziele verfolgen: Einerseits soll die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit besteuert werden, andererseits der Verbreitung der
Hundehaltung entgegenwirken. Für Rechtsanwalt Balsam sind diese Zwecke äußerst
fragwürdig, sozial ungerecht und tierschutzwidrig. Steigende Hundesteuersätzen (ohne
Rücksicht auf das Einkommen) haben zur Folge, daß sich immer mehr Hundebesitzer aus
sozial schwächeren Bevölkerungsschichten, darunter überwiegend ältere und einsame
Bürgerinnen und Bürger, von ihrem Liebling trennen müssen. Aber ein Hund der
abgeschoben werden muß, der leidet und dies verstößt gegen den Tierschutzgedanken. Auch
das Argument, die Erhöhung der Hundesteuer würde der Ausbreitung des Hundebestandes
entgegenwirken, trifft nicht zu. Glaubt man den Befürwortern der Hundesteuer, so müßte
es in Köln eine regelrechte Hundeplage geben. Das Gegenteil ist der Fall: Der
Hundebestand ist in Köln von 30.000 Hunden (1988) auf 27.000 zurückgegangen.