Massentierhaltung: Eine Bestandsaufnahme

Die Schlagzeilen der Medien berichten täglich von innen- und außenpolitischen Querelen. An dem, was die Menschen wirklich bewegt, geht die Politik oftmals vorbei. Mittlerweile quittieren viele Bürger diese Entwicklung mit politischer Verdrossenheit und eigenen Aktivitäten. Dadurch verursacht, verzeichnen gerade jetzt nicht die politischen Parteien, sondern Tier- und Umweltschutzvereine einen regen Zulauf. Natürlich können deren Aktivitäten nicht jedes Jahr im gleichen Maße im Blickpunkt der Medien stehen. Halbherzige, aber dennoch geschickte Beschlüße, wie zum Beispiel die neueste Verordnung zum internationalen Schlachtviehtransport, sollen augenscheinlich die Öffentlichkeit beruhigen und die Politik aus den Schlagzeilen bringen.
Wesentliche Änderungen treten durch solche oberflächlich populistische Maßnahmen aber nicht ein. Im Bereich der Legehennenhaltung hat die Verurteilung des Agrarindustriellen und größten Legebatterienbetreiber Europas, Anton Pohlmann, zu keiner Verbesserung in der Massentierhaltung geführt. Zwar wurde Pohlmann, vom Landgericht Oldenburg zu zwei Jahren Haft auf Bewährung, so wie zur Zahlung einer Geldstrafe von 2,2 Millionen DM und lebenslangem gewerblichen Tierhaltungsverbot verurteilt, aber grundsätzlich hat sich nichts an den tierquälerischen Bedingungen der Massentierhaltung von Millionen anderer Hühner geändert. Pohlmann wurde lediglich, unter anderem wegen des widerrechtlichen Versprühens hochgiftigem Nikotins, zur Vernichtung des Milbenbefalls seines Hühnerbestandes, verurteilt. Nicht aber wegen tierquälerischer Massentierhaltung. Diese unwürdigen, tierquälerischen Haltungsbedingungen werden nämlich nach wie vor von der EU gebilligt. Laut deren Richtlinien ist ein Lebensraum der kleiner als ein Schreibmaschinenblatt ist, für eine Legehenne völlig ausreichend. Der Profit hat vor dem Tierschutz offenbar Vorrang. Daher wird ein Berufsverbot für Pohlmann im Prinzip wenig bewirken. Hunderte von anderen Legebatterienbetreiber sitzen bereits in den Startlöchern um die entstandene Lücke zu füllen. Die EU, die sich sonst so fortschrittlich gibt, begünstigt durch ihr Verhalten die lebensverachtende Profitgier, vieler Agrarindustrieller. Erst eine Gesetzesnovellierung durch die EU könnte diesen Zuständen Abhilfe schaffen. Die aktuellen Richtlinien der EU zu internationalen Schlachtviehtransporten, die unter anderem eine Verkürzung der Transportzeiten auf 8 Stunden vorsieht, scheint sich nicht so einfach realisieren zu lassen, wie die Transportverordnung empörten Bürgern und Tierschützern glauben machen will. Tatsächlich werden, laut Angaben des deutschen Tierschutzbundes, die Tiere immer noch, oft bis zu 45 Stunden unter miserablen Bedingungen durch Europa gekarrt, um anschließend in Drittländer exportiert zu werden. Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, war an den Autobahnen A61 und A48, die als Transitstrecken bekannt sind, bei Kontrollen selbst vor Ort. "Dabei habe ich Dinge erlebt, die spotten jeder Beschreibung", erklärte Beck. Die vorgeschriebene zeitliche Begrenzung der Schlachttiertransporte ist eine eher halbherzige Lösung der EU, denn die Subventionen für den Export in Drittländer, die das alles erst ermöglichen, wurden nicht gestrichen. Das begünstigt nicht nur die unmöglichen Transportzustände, sondern auch einen Subventionsbetrug der von Experten pro Jahr auf einen 3-stelligen Millionenbetrag geschätzt wird. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, daß aus toten Tieren, die den grausamen Transportbedingungen zum Opfer gefallen sind, durch Manipulation der Ausfuhr-Dokumente lebendige Tiere werden. Denn die EU zahlt nur für ein lebend exportieres Tier eine Ausfuhrerstattung von 15 %. Solche lukrativen Veränderungen an den Export-Papieren sind, wenn die Tiere erst einmal in nordafrikanischen oder anderen Schlachthöfen verschwunden sind, nur schwer nach zu vollziehen. Der EU ist, einer internen Studie zufolge, der breitangelegte Subventionsbetrug sogar bekannt. Dennoch wird nichts unternommen, um diesen Zustand zu ändern. Scheinbar sieht das Parlament in Brüssel keinen Handlungsbedarf. Der Steuerzahler zahlt hier, wie so oft, die Zeche. Aufgebrachte Bürger und Tierschützer können schon lange nicht mehr die Gleichgültigkeit der EU, bei der Billigung der Tierquälerei und dem Verschleudern von Steuergeldern, nachvollziehen. Tierschützer argumentieren, daß es sinnvoller wäre Schlachthöfe in Deutschland zu subventionieren, anstatt die Ausfuhr von Rindern zu fördern. Zudem würden hierdurch Arbeitsplätze geschaffen werden, anstatt die Kassen skrupelloser Exporteure durch Steuergelder zu füllen.

<<Zurück