Eine Pfarrerin aus Hessen macht mobil gegen Tiertransporte

Tier-Todes-Transporte

Seit Stunden warten Christa Diehl und ihre Tochter Julia auf dem Rastplatz Trommheide und beobachten unablässig die Autobahn A40. Plötzlich entdecken sie einen Schweinetransporter. Das Warten hat ein Ende. Sofort heften sich die beiden Frauen mit ihrem VW Golf an die Fersen des Tiertransporters, gefolgt von einem zweiten PKW mit Tierschützerinnen. An der Heckscheibe ihres Wagen klebt ein Plakat mit der Aufschrift "Tier-Todes-Transporte – Europa erbarme Dich". Seit Anfang 1996 werden immer mehr Tiertransporte von Tierschützern begleitet und überwacht. Die Tierschützer wollen aufrütteln und die unwürdigen Transportzustände skrupelloser Spediteure und Viehhändler anprangern. Das dieser "Begleitschutz" nicht immer ganz ungefährlich ist, zeigt sich auch heute. Auf einem Rastplatz eskaliert die Situation. Der Fahrer stürmt auf das Auto der Diehls zu, reißt das Plakat herunter und rüttelt wutentbrannt an den Autotüren, die Julia Diehl geistesgegenwärtig in letzter Sekunde verriegelt hat. Der Fahrer gibt schließlich auf. Andere Tier-Transport-Begleiter waren schon mit schlimmeren Gewalttätigkeiten konfrontiert. Nach neunstündiger Beschattung verlor beispielsweise ein deutscher Trucker die Nerven und demolierte mit einem schweren Knüppel das Auto zweier Tierschützer. Den Fahrern blieb nur die Flucht. Für Christa Diehl bleibt dies völlig unverständlich. "Unsere Aktion richtet sich doch nicht gegen die Fahrer". Mittlerweile beteiligen sich 200 Menschen an dieser Aktion. Wöchentlich sind zirka 12 Personen, unter zeitlichen und auch finanziellen Entbehrungen, unterwegs. Es werden unwürdige und gesetzeswidrige Zustände zum Teil auch mit Fotos dokumentiert, um später gegen die Verantwortlichen vorgehen zu können. Initiatorin und Koordinatorin dieser Aktionen ist Christa Blanke. Die Pfarrerin aus Glauburg bei Frankfurt wurde vor zehn Jahren durch Tiergottesdienste bekannt. Frau Blanke ist Mitbegründerin des Vereins "AKUT" (Aktion Kirche und Tiere), der sich für die Rechte der Mitgeschöpfe in Kirche und Gesellschaft einsetzt. Mit der Idee der Tiertransport-Begleitung hat Frau Blanke Einiges bewegt. Mittlerweile hat sie ein genaues Bild vom Fahrverhalten, Routen und Tränkzeiten. Die Aktivisten um Christa Blanke wollen das Bewußtsein über die grausamen Tiertransporte in der Bevölkerung aufrecht erhalten. Denn eines ist den Tierschützern klar: Skandale in den Medien sind kurzlebig und so muß immer wieder auf die Mißstände hingewiesen werden. Zwar wurden die Vorschriften zum Transport von Tieren letztes Jahr von der EU geringfügig verschärft, aber die Transportverordnung entpuppt sich in der Praxis als Papiertiger, wie die Tierschützer um Frau Blanke bei ihren friedlichen Aktionen immer wieder feststellen. Denn kontrolliert werden die Tausenden von Transporten nur in den seltensten Fällen. Diesen Notstand wenigstens teilweise zu lindern ist eines der Anliegen der Aktivisten. Aber das Hauptanliegen sämtlicher Tierschützer ist die Aufhebung sämtlicher Exportsubventionen für Lebendviehtransporte. Denn durch die Subventionen können die Exporteure erst richtig absahnen. Für jedes lebend exportierte EU-Rind bekommt ein Exporteur bis zu 1000,00 DM Fördergeld. In welchem Zustand das Tier ist, spielt keine Rolle. Hauptsache das Herz schlägt noch. Das hier Subventionsbetrug Tür und Tor geöffnet ist, liegt auf der Hand. Jenseits des Subventionsbetruges gibt es aber auch ganz legale Methoden an die üppigen Subventionsgelder zu kommen. Kälber werden billig in Osteuropa gekauft. Sind diese Kälber eine gewisse Zeit in Deutschland gemästet worden, können sie ganz legal zu EU-Rindern umgeschrieben werden. Hier eröffnen sich lukrative Gewinnspannen. Und dies wird alles durch den Steuerzahler finanziert. Aber solange noch Lebendviehtransporte über deutsche und europäische Autobahnen rollen, solange werden die Tierschutz-Aktivisten und Christa Blanke noch die Spediteure unter Beobachtung halten.

Wenn Sie nähere Informationen über die Aktion „Tier-Todes-Transporte" oder Unterschriftenlisten gegen den Lebendviehtransport möchten, dann schreiben Sie bitte an:

TASSO - Haustierzentralregister
Stichwort „Tier-Todes-Transporte"
Frankfurter Str. 20
65795 Hattersheim

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